Afrikas Weltraumpläne

Harald Schützeichel

Bild: Dreamstime

Anfang Januar 2019 verkündete der deutsche Mischkonzern BayWa AG die weltweite Markteinführung ihrer satellitengestützten Bewässerungslösung  – nach einer erfolgreichen zweijährigen Testphase in Sambia.  Auf Grundlage von Satelliten- und Wetterdaten wird der Wasserbedarf von Nutzpflanzen automatisiert berechnet. Landwirte können so möglichen Ertragseinbußen aufgrund von anhaltender Trockenheit oder Überbewässerung gezielt vorbeugen. Das spare, so BayWa, Wasser- und Energieressourcen. Außerdem werde Staunässe und Nährstoffauswaschungen vorgebeugt. Das verbessere wiederum das Bodenleben und schone die Umwelt.

Satelliten liefern wichtige Geodaten

Zuverlässige Satellitendaten bilden die Grundlage für zahlreiche wichtige Entwicklungen weltweit: Weltraumgestützte Informationssysteme sind heute in der Landwirtschaft weit verbreitet, die in weiten Teilen Afrikas nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig ist. Sie spielen ferner eine wichtige Rolle bei der Risikominderung und dem Katastrophenmanagement in Afrika, das stark von Naturkatastrophen und von Menschen verursachten Katastrophen betroffen ist.

Weltraumdaten werden genutzt zur Überwachung und Durchführung von Umweltbewertungen oder zur Bereitstellung von Bildungs- und Gesundheitsdiensten in ländlichen und abgelegenen Gebieten. Das Malaria-Frühwarnsystem MEWS hat dank seiner Geodaten geholfen, die Verbreitung der Krankheit zu bekämpfen. Ghana setzt seinen 2017 gestarteten Satelliten gegen illegalen Bergbau und den Diebstahl von Ressourcen ein. Nigeria nutzt seine Satelliten zur Beobachtung der Aktivitäten von Boko Haram. Und natürlich hat jedes nationale Weltraumprogramm auch politische Motivationen, denn es lässt sich damit nach außen wirtschaftliche Stärke und Selbstbewusstsein demonstrieren.

Die afrikanische Raumfahrt

Tatsächlich ist die afrikanische Raumfahrt aber noch klein: nur 30 der heute im All befindlichen 1.800 Satelliten sind aus Afrika. Nach wie vor kaufen Afrikaner Geodaten zu hohen Kosten von den großen Weltraumnationen ein. 14 Länder betreiben aber inzwischen eine eigene nationale Raumfahrtagentur: Ägypten, Äthiopien.Algerien, Angola, Gabun, Ghana, Kenia, Libyen, Marokko, Nigeria, Simbabwe, Sudan, Südafrika, Tunesien.

Das Gesamtbudget ist im weltweiten Verhältnis verschwindend gering: 2014 beliefen sich Ausgaben von afrikanischen Regierungen für zivile Raumfahrtprogramme auf 185 Mill. USD. – im Vergleich zu den weltweiten Ausgaben von 42,4 Mrd. USD.

Doch die afrikanische Raumfahrt entwickelt sich: Die Technik für eigene Satelliten wurde lange Zeit aus den USA, Indien, Japan, China oder Russland eingekauft. Inzwischen setzt man auch auf die Entwicklung eigener Satelliten. Kenia hat 2018 seinen ersten selbstgebauten Satelliten gestartet. Äthiopien will im September 2019 mit einem überwiegend von China gesponserten Satelliten zur Wetterbeobachtung folgen.

Hier eine Liste der afrikanischen Länder, die bereits Satelliten im All haben: Algerien (6) Angola (1), Ägypten (5), Ghana (1), Kenia (1), Marokko (3), Nigeria (6), Südafrika (7).

Die führenden Weltraumnationen Afrikas sind heute Nigeria (Jahresbudget 2014: 66 Mill. USD) und Südafrika (31 Mill. USD), das bald das größte Radioteleskop der Welt beherbergen wird. Nigeria plant sogar, im Jahr 2030 den ersten Astronauten ins Weltall zu schicken – in enger Kooperation mit China.

Afrikanische Weltraumagentur

Die Afrikanische Union (AU) hat sich 2017 in einem Strategiedokument klar zur Bedeutung der Raumfahrt für positioniert: “Weltraumprodukte und -dienstleistungen in den Bereichen Erdbeobachtung, Satellitenkommunikation sowie Navigation und Positionierung sind entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung des Kontinents.” Zugleich fordert man, die nationalen Bestrebungen zu bündeln in einer Afrikanischen Weltraumagentur, vergleichbar den Agenturen in Europa (ESA) und den USA (NASA). So könne die internationale Konkurrenzfähigkeit gefördert und die Entwicklung Afrikas gefördert werden. Ghana und Ägypten haben sich für den Sitz der Agentur beworben.

Weiterführende Informationen (englisch):

  • Webseite “Space in Africa”: Geschäfts- und Marktanalyseberichte für die verschiedenen Segmente der afrikanischen Raumfahrt- und Satellitenindustrie: https://africanews.space/
  • African Union, African Space Policy. Towards social, political and economic integration, 2017 – Download
  • Steve Bochinger, Space exploration in the space economy, United Nations, Vienna, 2016 – Download
  • Sue Palminteri, Can satellite data help monitor sustainable rural development?, Eco-Business, 21.01.2019

 

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