Wie dezentrale Solaranlagen schwangere Frauen im ländlichen Kenia unterstützen

Sanjoy Sanyal, World Resource Institute

Ein solarbetriebener Kühlschrank für Impfstoffe. Bild: Esther Kahinga

David Kogo schaudert, wenn er sich an die Ereignisse des 15. März 2016 erinnert. Er war nur einen Monat in seinem Job als Krankenhaushelfer in der Najile-Gesundheitsstation in Süd-Kenia. Eine Frau mit fortgeschrittenen Wehen kam nur wenige Minuten nach Mitternacht an. Kogo wusste, dass er ihr Baby sofort zur Welt bringen musste, aber es gab ein Problem: Die Gesundheitsstation hatte keinen Strom, und es war stockdunkel.

Er zündete eine Kerosinlampe an und hielt eine Taschenlampe in seinem Mund, um seine Arbeit zu erleichtern. Die Erstgebärende brachte ihre Zwillinge zur Welt, aber Kogo war besorgt, dass eine Infektion stattgefunden hatte. Er musste immer wieder seine Handschuhe ausziehen, um die Taschenlampe aus dem Mund zu nehmen. Er saß an ihrer Seite, seine Hoffnungen schwinden, als sich das schwache Licht der Kerosinlampe kurz vor Tagesanbruch ausbrannte.

Glücklicherweise schafften es alle vier durch die Nacht, und die neue Mutter und ihre kleinen Jungen wurden am nächsten Tag entlassen. Aber die Geburt hat Kogo die Nerven geraubt. Er traf die Entscheidung, keine nächtlichen Geburten mehr in der Najile-Gesundheitsstation durchzuführen und wies den Wächter an, werdende Mütter zum 7,5 Meilen entfernten Ewuaso Health Center zu leiten.

Nur wenige Monate später änderte sich jedoch alles: Die Najile-Gesundheitsstation erhielt Solarmodule und Batterien von einem Programm der europäischen gemeinnützigen Stiftung Solarenergie, in Zusammenarbeit mit der in Nairobi ansässigen Firma SunTransfer und der Bezirksregierung. Der Solarstrom beleuchtet nicht nur die Gesundheitsstation, sondern versorgt auch einen Fetal-Doppler und einen Kühlschrank, der Impfstoffe speichert. Batterien liefern Strom durch die ganze Nacht. Das System verfügt auch über eine Möglichkeit zum Aufladen eines Mobiltelefons.

Erneuerbare Energien helfen der Gemeinschaft

Najiles Mangel an Elektrizität ist eine häufige Notlage in ganz Kenia. Nur 19 Prozent der Gesundheitseinrichtungen im Land haben Zugang zu stabilem Strom. Das setzt Menschen wie Kogo und seine Patienten unter enormen Druck. Während die Stiftung Solarenergie in neun weiteren Kliniken Solarmodule installiert hat, fehlt vielen anderen noch die benötigte Energie.

Unterdessen erhalten die 3.000 Mitglieder der meist maasaiischen Gemeinschaft, für die die Najile-Gesundheitsstation sorgt, nun eine wesentlich bessere Gesundheitsversorgung. Geburten können nachts erfolgen. Die Impfstoffe werden im Kühlschrank gelagert, und am Donnerstag ist der wöchentliche Impftag der Klinik.

Sheila Kiman, 23, erinnerte sich, dass sie vor vier Jahren zwei Stunden zur Ewuaso-Gesund­heitsstation gehen musste, während sie in den Wehen war, und dann später zurückkehren musste, um ihren Sohn impfen zu lassen. Jetzt bringt sie ihre einjährige Tochter nach Najile, das viel näher an ihrem Zuhause liegt.

Kogo arbeitet jetzt oft bis 21 Uhr. Im vergangenen Jahr brachte er mehr als 40 Babys zur Welt, verglichen mit weniger als einem Dutzend im Jahr 2016. Donnerstags ist besonders viel los. Das Mittagessen ist ein Luxus, auf den er oft verzichtet, da Mütter ihre Kinder zur Impfung mitbringen. Dabei hilft es nicht, dass er auf medizinisch geschultes Hilfspersonal verzichten muss. Krankenschwestern und Ärzte kommen nicht gerne in die halbtrockene Region.

Kogo beschwert sich jedoch nicht. Da er sein Handy problemlos aufladen kann, bleibt er mit seinen Kollegen in anderen Kliniken in Kontakt. Er kann andere Ärzte informieren, wenn die Medikamentenvorräte knapp werden und sie rechtzeitig wieder auffüllen. “Die Solaranlage hat meine Moral und die Arbeitsbedingungen grundlegend verbessert”, sagt er.

Es hilft auch, dass er dank des von der Weltbank unterstützten Kenia Health Sector Support Project mehr Geld verdienen kann. Das 61-Millionen-Dollar-Projekt wird von 21 Bezirken in Kenia umgesetzt. Es bietet Kliniken finanzielle Anreize, die bestimmte gesundheitsbezogene Kennzahlen erfüllen, wie z.B. erhöhte Impfungen. Das Gesundheitszentrum Najile konnte seine Ziele übertreffen, da es nun über einen Kühlschrank zur Aufbewahrung von Impfstoffen verfügt.

Es muss einen besseren Weg geben

Menschen wie Kogo bringen Opfer, um ihren Patienten zu helfen. In der Zwischenzeit sind die Patienten oft mit potenziell gefährlichen Situationen konfrontiert, um die Versorgung zu erhalten, die sie benötigen. Der Zugang zu Energie für alle würde ihnen das Leben erleichtern, aber in Kenia ist es noch ein weiter Weg. Was die Gemeinden brauchen, ist eine sofortige Lösung.

Die Klinik Najile zeigt, dass es möglich ist, Gesundheitseinrichtungen schnell zu elektrifizieren. Solaranlagen können sofort errichtet werden, ohne auf Übertragungsleitungen und andere Netzinfrastrukturen zu warten.

Während privatwirtschaftliche Initiativen Gesundheitszentren in Subsahara-Afrika elektrisieren, sind diese Projekte leider oft sporadisch und ihre Auswirkungen daher begrenzt. Unterdessen stellen internationale Geber eine ergebnisorientierte Finanzierung für die Gesundheit der Gemeinschaft bereit. Die Stromversorgung ist ein logischer Ausgangspunkt für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Es ist wichtig, dass sich internationale Entwicklungsinstitutionen und Geber mit der Privatwirtschaft abstimmen, um die Gesundheitsziele zu erreichen und den Stromzugang in Ostafrika zu finanzieren. Nur dann werden Gesundheitspersonal wie Kogo in der Lage sein, ihre Arbeit effektiv zu erledigen.

Quelle: World Resource Institut

 

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