Warum der Verlust des Africa-Cup 2019 ein schwerer Schlag für Kamerun ist

Jo Clarke

Die stolze Fußballnation Kamerun steht aus den falschen Gründen im Rampenlicht: ihr wurden die Gastgeberrechte für den Africa-Cup 2019 (AFCON) wegen Verzögerungen bei den Vorbereitungen sowie Sicherheitsbedenken entzogen wurden. Der Wettbewerb soll im Juni 2019 beginnen.

Es ist unbestreitbar, dass die Ausrichtung einer großen Sportveranstaltung mit Kosten verbunden ist. Es gibt jahrelange Planungen und Investitionen, um sicherzustellen, dass die notwendigen infrastrukturellen Arbeiten erledigt werden. Diese Art von finanziellem Engagement ist für jede Nation entmutigend, vor allem aber für Kamerun, das bezüglich seines Wohlstands auf Platz 93 von 190 Nationen rangiert.

Aber Länder entscheiden sich für solche Veranstaltungen, weil sie glauben, dass es positive wirtschaftliche und soziale Nebenwirkungen geben wird. Kamerun ist nun nicht mehr in der Lage, auf diese Weise zu profitieren. Und die Entscheidung ist auch ein Schlag gegen ihren Ruf, insbesondere angesichts ihres Rufs als große Fußballnation.

Die Bedeutung des Fußballs

In Kamerun ist der Fußball als “Königssport” bekannt. Seit der Einführung in den 1920er Jahren ist Fußball die Nummer eins unter den Sportarten des Landes. Wenn die Nationalmannschaft spielt, sind die Straßen leer und die Bars voller Menschen. Die lokalen Fußballligen sind ein beliebtes Gesprächsthema, auch wenn die meisten Spiele nicht im Fernsehen übertragen werden.

Die Popularität des Fußballs in Kamerun ist vor allem auf den Erfolg der Herren-Nationalmannschaft “The Indomitable Lions” und in jüngster Zeit auf die Entstehung der Frauen-Nationalmannschaft “The Lionesses” zurückzuführen. Die Herren-Nationalmannschaft hat an sieben Wettbewerben der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft teilgenommen, mehr als jede andere afrikanische Mannschaft. Die Frauenmannschaft nahm 2015 zum ersten Mal an einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft teil und erreichte die Gruppe der letzten 16.

Noch heute erinnern sich die Fußballfans an den Erfolg der Herren-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1990 und setzen Roger Millas Markentanz mit der Eckfahne fort. Auch der Sieg der Herren bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney ist unvergessen: es war Kameruns erste olympische Goldmedaille überhaupt.

Aber der Fußball ist in Kamerun mehr als ein Sport geworden, und viele Leute sind der Meinung, dass Fußball längst eine politische Funktion besitzt. Anfang 1990 gab es zum Beispiel in Kamerun heftige Protesten und Forderungen nach politischen Reformen. Zum Glück für Präsident Paul Biya, der das westafrikanische Land seit 36 Jahren regiert, lenkten die Leistungen der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien die Aufmerksamkeit von politischen Fragen ab.

Was sind also die wahrscheinlichen Auswirkungen auf Kamerun nach dem Verlust der Veranstaltung?

Erstens wird Kamerun an Reputation verlieren. Die Ausrichtung von Sportgroßveranstaltungen trägt oft dazu bei, das positive Profil des Gastlandes zu stärken. Kamerun steht derzeit aus negativen Gründen in den Schlagzeilen.

Die Entscheidung der CAF dürfte den internationalen Ruf Kameruns beeinträchtigen. Und es ist wahrscheinlich, dass es die Wirtschaft des Landes beeinflussen wird. Der kurzfristige wirtschaftliche Aufschwung, der typischerweise mit Großveranstaltungen verbunden ist, bedeutet einen Anstieg der Besucher, Sportler und Medien, die Geld ausgeben und in die lokale Wirtschaft investieren, geht ebenfalls verloren.

Längerfristig ist ein wesentlicher Vorteil der Ausrichtung eines prestigeträchtigen Wettbewerbs, dass hierdurch Investitionen erfolgen, die zur Schaffung lokaler Arbeitsplätze führen und bessere Sportinfrastruktur hinterlassen.

In Kamerun war diese Investition noch nicht angelaufen. Von den geplanten sechs Stadien wurden nur vier gebaut, während drei von fünf Städten noch keine Unterkunftsinfrastruktur haben.

Neben den infrastrukturellen Verzögerungen verwies das CAF-Sicherheitskontrollteam bei seinem Besuch in Kamerun auf noch weitere Probleme. Das Team stellte fest, dass “allgemeinere Probleme” den Erfolg des Wettbewerbs beeinträchtigen könnten. Dies war ein Hinweis auf die politische Instabilität im Land. Nicht wenige befürchten,  dass Kamerun kurz vor einem Bürgerkrieg steht.

Jo Clarke ist Dozentin für Sport Business Management an der Sheffield Hallam University.

 

Zuerst erschienen in The Conversation. Leicht gekürzte deutsche Übersetzung. Zum englischen Originalbeitrag.

 


 

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