Vier französische Musketiere prägen den Off-Grid-Energiemarkt in Afrika

Harald Schützeichel

In Alexandre Dumas’ Roman kämpfen zunächst drei, später vier Musketiere für Gerechtigkeit in der Welt. Sie sind keine Revolutionäre, sondern durchaus Bestandteil des Systems, aber sie sind als Individualisten bereit, sich auch gegen traditionelle Sichtweisen einzusetzen.

Vergleichbar reiten heute die großen Energiekonzerne Frankreichs als vier Energiemusketiere durch die Energiewelten Afrikas und Asiens:

  • Der zweitgrößte Stromerzeuger weltweit:
    Électricité de France (EDF): 69,6 Mrd. Euro Umsatz / 3,4 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern
  • Das weltgrößte Unternehmen für verflüssigtes Erdgas (LNG):
    Engie: 65,0 Mrd. / 1,1 Mrd.
  • Einer der weltweit führenden Elektrotechnik-Konzerne
    Schneider Electric: 24,7 Mrd. / 2,8 Mrd
  • Das viertgrößte Mineralölunternehmen der Welt
    Total: 132,2 Mrd. / 8,3 Mrd

Die vier Energieriesen sind prägender Teil der alten, zentral und fossil angelegten Energieversorgung. Aber sie erkennen auch, dass dezentrale, regenerative Energietechniken eine Zukunftstechnik sind, nicht nur in Entwicklungs- und Schwellenländern. Und anders als so mancher Energiekonzern in den USA, Großbritannien oder Deutschland engagieren sie sich im Off-Grid-Sektor der Entwicklungsländer bereits früh nicht nur mit ihren gemeinnützigen Stiftungen, sondern sehen hier ein Geschäftsfeld für die Zukunft.

Die Strategien der vier sind zwar sehr unterschiedlich, aber alle zusammen beeinflussen heute auch die Off-Grid Branche entscheidend mit. Anlass genug, ein Porträt der vier Off-Grid-Riesen vorzustellen. Die nachfolgenden Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, haben aber doch den Anspruch, die wichtigsten Aktivitäten der vier Unternehmen nachzuzeichnen.

 

1. Électricité de France (EDF)

Der erste der Musktiere im Off-Grid-Markt war eindeutig EDF: Bereits 1999 entwickelte EDF mit Unterstützung von ADEME (Französische Agentur für Umwelt und Energiemanagement) das Konzept dezentraler Dienstleistungsgesellschaften (SSD): Eine SSD ist ein Unternehmen nach lokalen Recht, geführt von lokalen Managern, das ein breites Spektrum an Energiedienstleistungen verkauft. Die Stärke der SSDs liegt eindeutig in der Integration in das lokale sozioökonomische Gefüge: Sie installieren, betreiben, warten und erneuern die Infrastruktur für die Stromerzeugung. Die ersten SSD entstanden in Mali (1999), Südafrika (2002), Marokko (2002), Botswana (2010) und Senegal (2011).

In den folgenden Jahren entwickelte sich der Off-Grid-Markt rasant weiter: Neue Hersteller, neue Finanzierungsmodelle, neue Technologien. Offensichtlich auch eine Zeit der (Neu-)Orientierung für EDF. Das geht einher mit einem Wechsel im Amt des “Directeur Afrique et accès à l’énergie” (März 2016). Ab 2016 wird EDF mit einer offenkundig veränderten Strategie wieder aktiv – sehr aktiv:

Partnerschaft mit Off-Grid Electric

2016 verbündete sich EDF mit einem der damals vielversprechendsten Unternehmen der jungen Off-Grid-Branche: Off-Grid Electric, in Afrika unter der Marke Zola aktiv. Mit paritätischen Gesellschafteranteilen gründete man die Zola EDF Côte d’Ivoire (ZECI). ZECI’s Produktstrategie folgte dem, was 2016 bereits allgemeiner Standard im Off-grid-Markt ist: Standardisierte Solar-Kits, vertrieben über ein Pay-As-You-Go-Finanzierungsmodell.

Dieses erste Joint Venture sollte für EDF eigentlich der Start zu einer groß angelegten und schnell wachsenden Partnerschaft mit Off-Grid Electric in Afrika sein. Tatsächlich wurde daraus aber erstmal nichts. Über die Gründe des schleppenden Ausbaus der Kooperation zwischen Off-Grid Electric und EDF kann man nur spekulieren: Sie hängen aber vermutlich mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zusammen, in die Off-Grid-Electic immer wieder gerät und die Wachstum und Stabilität des EDF-Partners gefährden. Vielleicht ist dies auch ein Grund, weshalb EDF schließlich erstmals entscheidend von seiner bisherigen Strategie abweicht und als Gesellschafter bei einem Partner einsteigt (Off-Grid-Electric – 2018).

Unmittelbar nach dem Einstieg von EDF bei Off-Grid Electric gründeten beide Unternehmen mit der ghanaischen CH-Group (20%) endlich ihr zweites Joint Venture: die Zola EDF Ghana (ZEGHA). Das Geschäftsmodell von ZEGHA entspricht dem von ZECI.

Neuer Partner: Bboxx

Um in der eigenen Expansion nicht weiter nur an einen Partner gebunden zu sein, wandte sich EDF nun auch neuen Partnern zu. Dies wurde zunächst der britische Hersteller Bboxx, an dessen ein Jahr altem Unternehmen in Togo sich EDF 2018 mit 50% beteiligt. Das Joint Venture trägt weiter den Namen Bboxx Togo, ohne äußeren Hinweis auf EDF.

Investmentplattform NEoT Offgrid Africa

Aber neue Partnerschaften für neue Joint Ventures in Afrika sind für EDF nun nicht mehr genug. Um die Präsenz im sich immer weiter ausdifferenzierenden Off-Grid Markt auf ein breiteres Fundament zu stellen, gründet EDF 2017 gemeinsam mit NEoT Capital und Meridiam die Investmentplattform NEoT Offgrid Africa. 2018 stösst noch Mitsubishi Corporation dazu. Vorgesehen ist, Hunderte von Millionen Euro in afrikanische Energieprojekte zu investieren.

2018 investiert NEoT als Mehrheitsgesellschafter in Sabon Gari Energy Ltd.: ein Projekt des in Lagos ansässigen Rensource Energy. Sabon Gari bietet Verbrauchern, kleinen Unternehmen und Industriekunden sauberen Strom durch sein subskriptionsbasiertes Power-as-a-Service (PaaS)-Modell mit Solar-Hybrid-Systemen, die auf dem Gelände des Anwenders installiert sind – für EDF also eine durchaus attraktive Ergänzung zum mit Bboxx und Off-Grid Electric verfolgten Konzept des Pay-As-You-Go-Vertriebs.

Und noch eine weitere Investition tätigt EDF 2018 und verdeutlich damit die gegenüber den Anfängen deutlich breit aufgestellte Strategie im Off-Grid Sektor: Erstmals beteiligt man sich an einem Hersteller ohne eigenes Vertriebsnetz in Afrika: SunCulture (20-30%). Der 2013 gegründete Hersteller einer solaren Wasserpumpe für Kleinbauern ist bisher vor allem in Ostafrika tätig. EDF will SunCulture bei der Expansion in ganz Afrika unterstützen – und längerfristig sogar die Mehrheit am Unternehmen übernehmen. Der Weg dorthin wurde bereits durch die Ausgabe von Wandelanleihen vorbereitet.

EDF’s neue strategische Ausrichtung seit 2016 und das deutlich verstärkte Engagement im Off-Grid-Sektor ist beachtlich, denn es ist ein klares Bekenntnis zu den Möglichkeiten dezentraler solarer Stromversorgung. Blickt man auf die letzten Jahre wird auch klar, dass EDF im Konzert der anderen Energie-Musketiere seine Position ausbauen will. Es wird spannend sein, welche neuen Beteiligungen, Übernahmen und Joint Ventures EDF im Jahr 2019 verkünden wird.

 

2. ENGIE

GDF Suez (ab 2015: ENGIE) ging 2008 aus dem Zusammenschluss des mehrheitlich in staatlicher Hand befindlichen Gasversorgers Gaz de France (GDF) und des Mischkonzerns Suez hervor. Das neue Unternehmen änderte bald seine Konzernstrategie: es zog sich ganz von der Öl- und Gasförderung zurück, investiert seit 2015 nicht mehr in Kohlekraftwerke und stößt seine diesbezüglichen Beteiligungen sukzessive ab.

Stattdessen konzentriert sich ENGIE nun auf erneuerbare Energien und begleitende Dienstleistungen – und bekräftigt dies schon sehr früh deutlich mit dem Beschluss, 25. Mrd. USD in erneuerbare Energien, Energiedienstleistungen sowie in dezentrale Energietechnik zu investieren. In allen neuen Geschäftsbereichen wächst ENGIE heute stark. Mit einer Stromerzeugungskapazität von 115,3 GW ist ENGIE derzeit wohl der größte unabhängige Stromerzeuger der Welt.

Bis heute ist das zentrale Strategieinstrument im Bereich Energy Access der 2011 gegründete und zunächst mit 10 Mio. Euro ausgestattete, unternehmenseigene Investmentfond “ENGIE Rassembleurs d’Energies”. Der Fonds investiert in wirtschaftlich tragfähige Projekte engagierter Unternehmer, um so die Verbreitung fossiler Energietechniken zu reduzieren und erneuerbare zu fördern.

Einen deutlichen Schub nahm “ENGIE Rassembleurs d’Energies” nochmals im Jahr 2016: Unter der neuen CEO Isabelle Kocher wurde das Kapital des unternehmenseigenen Investmentfond von 10 Mio. Euro auf 50 Mio. Euro verfünffacht.

Die Investmentstrategie folgt klar dem strategischen Fokus von ENGIE im dezentralen Solar-Sektor:

  • Solar-Home-Systeme für off-grid-Regionen (Hersteller und Distributoren)
  • Microgrid-Lösungen (Installation und Betrieb)
  • Anbieter von Energieservices, insbesondere Lösungen zur Überwachung, Energiemanagement und PAYG-Lösungen

Interessant ist, daß ENGIE seit 2017 zunehmend nicht nur Minderheitsbeteiligungen sucht, sondern auch die Federführung von Unternehmen als Mehrheitsgesellschafter übernimmt: Fenix (100%), Simpa Networks (90%) und Electric Power Systems (50+%) sind hier vermutlich nur der Anfang.

ENGIE’s klare Zielvorgabe für den gesamten Konzern ist die Umsetzung der Energiewende von der alten zentralen, fossilen Energietechnik hin zu einer dezentralen, erneuerbaren Energieversorgung – weltweit. Die wirtschaftliche Trennung von den fossilen Energiewurzeln und der damit verbundene Konzernumbau sind in ihrer Rigorosität beeindruckend und in der Branche sicher einmalig. Man stelle sich einmal vor, Total würde sich komplett aus dem Ölgeschäft zurückziehen und nur noch mit dezentralen, erneuerbaren Energie beschäftigen!

ENGIE ist daher wohl derjenige der vier französischen “Energie-Musketiere”, der den Wandel zu einer modernen Energieversorgung am energischsten und mit all seinen Konsequenzen umsetzt.

Hier nun die wichtigsten Investionen von ENGIE mit Bedeutung für den afrikanischen Off-Grid-Sektor seit 2012 in chronologischer Reihenfolge (Die Jahreszahlen des Invests werden selbst innerhalb der Dokumente von ENGIE durchaus verschieden angegeben. Daher kann es durchaus kleine Abweichungen geben):

  • EGG-Energy, Tansania (2012)
    Ab 2016 wird dieses Investment in den Dokumenten des ENGIE-Fonds nicht mehr erwähnt. Es ist nicht klar, ob und wann hier möglicherweise ein Exit stattfand.
  • Fenix, US / Uganda (2014/2017)
    Das Unternehmen ist im Bereich Design, Fertigung, Vertrieb, Finanzierung und Kundenservice für PAYG-Solar-Home-Systeme in Uganda aktiv. 2017 wird Fenix zum 100%igen Tochterunternehmen von ENGIE und verlegt zugleich den Firmensitz nach Uganda.
  • PEG, Ghana (ab 2015)
    Das ein Jahr vor ENGIE’s erstem Investment gegründete Unternehmen vertreibt Solar-Home-Systeme mittels PAYG-Finanzierung in Ghana und der Elfenbeinküste.
  • Ausar Energy, Frankreich (2015)
    Das Unternehmen konzipiert und produziert zwei technische Lösungen für den Markt in Marokko, Senegal, Elfenbeinküste und Kamerun: eine für off-grid-Standorte und eine zur Gewährleistung der Energieautonomie für On-Grid-Kunden.
  • Bboxx, UK (2016)
    Der britische Hersteller von Solar-Home-Systemen mit integrierter PAYG-Technik ist zum Zeitpunkt des Invests von ENGIE vor allem in Ostafrika tätig. Inzwischen hat sich Bboxx dank der finanziellen Unterstützung verschiedener Investoren (darunter auch EDF) auch in andere Länder Afrikas ausgebreitet.
  • CDS, Mauretanien (2016)
    Das bereits 1980 gegründete Unternehmen CDS liefert Solar-Home-Systeme, ist aber vor allem auf Installation und Betrieb von erneuerbaren Mikronetze in abgelegenen Regionen Mauretaniens spezialisiert.

 

Schneider Electric

Der Elektrotechnik-Konzern Schneider Electric verfolgt in seinem Bemühen, Off-Grid Regionen Zugang zu sauberer, erneuerbarer Energie zu bieten, eine Doppelstratgie – und unterscheidet sich damit substantiell von denen beiden bisher vorgestellten “Energie-Musketieren” EDF und ENGIE: Auch Schneider tätigt zwar Investitionen in Unternehmen des Energy-Access-Sektors; darüber hinaus engagiert sich der Konzern aber in Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Off-Grid-Produkten für Haushalte, Kommunen und Unternehmen. Der Hintergrund für das zweite Standbein liegt natürlich im eigenen Unternehmensprofil: Steuerungs- und Automatisierungstechnik, Energieverteilung in Nieder- und Mittelspannungstechnik und Installationstechnik gehören zum Kern des Produktportfolios von Schneider. Es liegt nahe, diese Kompetenz auch im Off-Grid-Bereich zu nutzen.

Produkte für Off-Grid-Regionen

Schneider engagiert sich bei der Produktentwicklung äußerst ernsthaft – und unterscheidet sich hier positiv von vielen anderen Herstellern. So sieht etwa die deutsche SMA Solar, eine der weltweit führenden Spezialisten für Photovoltaik-Systemtechnik, den Bereich der Off-Grid-Technik nach wie vor lediglich als nettes Nebenprodukt – und verpasst den Anschluss an diesen Markt. Schneider begann dagegen bereits 2010 ein eigenes Produkt-Portfolio für Off-Grid-Regionen als Teil der Unternehmensstrategie zu entwickeln.

Investments

Sein finanzielles Engagement in Unternehmen der Off-Grid-Branche hat Schneider in zwei unterschiedlich orientierte Investmentfonds aufgeteilt:

  • Schneider Electric Energy Access Fund (SEEA)

Der 2009 gegründete Fonds investiert Eigenkapital vor allem in kleine und junge Unternehmen mit innovativen Ideen zur Energieversorgung von Off-Grid-Regionen. Der mit 4,2 Mio. Euro ausgestattete Fonds erlaubt Engagements zwischen 100k und 400k Euro bei einer zu erwarteten Rendite von 5-10%. Seit der Gründung engagierte sich SEEA bei vielen Unternehmen der Off-Grid-Branche.

  • Energy Access Ventures Fund (EAV)

Im Jahr 2015 ergänzte Schneider den SEEA um einen weiteren Fonds, den das Unternehmen aber nicht mehr allein auflegte, sondern mit potenten Partnern: CDC Group, DFID, Europäische Investitionsbank, FISEA – PROPARCO, OFID und AFD-FFEM. Der mit 54,5 Mio. EUR im Vergleich zu SEEA deutlich kapitalstärkere Fonds soll gezielt kleinere Unternehmen  des Off-Grid-Sektors in Afrika bedienen. Dazu gehören neben Solarunternehmen auch solche aus dem Bereich Wasserkraft, Biomasse, Windkraft und Geothermie.

 

4. TOTAL

Total als vierter französischer “Energiemusketier” verlagert den Schwerpunkt der Aktivitäten von einer reinen Investmentaktivität (EDF / ENGIE) über die Balance zwischen Investition und Produktherstellung (Schneider) auf einen fast ausschließlichen Fokus auf die Herstellung und den Vertrieb von Off-Grid-Produkten. Total investiert auch gelegentlich in Off-Grid-Unternehmen, aber das ist eindeutig von untergeordneter Bedeutung und dient nur als Ergänzung.

Das solare Engagement von Total geht auf das Jahr 1983 zurück: Mit dem Joint Venture Tenesol (heute Frankreichs führender Solarmodulhersteller) und Photovoltech sammelte das Unternehmen erste Erfahrungen im damals noch jungen (netzgekoppelten) Photovoltaikbereich.

Im netzunabhängigen Solarmarkt profitiert Total von seiner traditionell starken Präsenz in Afrika: Das Unternehmen ist der größte Ölproduzent auf diesem Kontinent und verfügt über fast 4.300 Servicestationen in 36 afrikanischen Ländern. Die Verteilung in Asien ist im Vergleich dazu deutlich geringer: Nur die Philippinen heben sich mit 430 Tankstellen ab (gegenüber 120 in Kambodscha, 245 in China und 18 in Indonesien).

Vertrieb von Solarprodukten über das firmeneigene Tankstellennetz

Das Off-Grid-Engagement von Total beginnt im Jahr 2010 mit dem Start des Programms “Total Access to Energy”. Die Grundidee ist der Verkauf von Plug-and-Play-Solarprodukten über das globale Vertriebsnetz von Total-Tankstellen. Die Idee mag auf den ersten Blick plausibel klingen, aber sie birgt einige ernsthafte Herausforderungen: Denn Tankstellen verkaufen in der Regel nur Produkte, die für den sofortigen Verbrauch bestimmt sind. Sie sind nicht darauf vorbereitet, dass Kunden nach einiger Zeit wieder auftauchen und sich über eine nicht funktionierende Solarlampe beschweren. Das passiert einfach nicht beim Verkauf von Benzin, Softdrinks oder Lebensmitteln.

Um diese Herausforderung zu lösen, hat sich Total von Anfang an – bis heute – sehr stark auf das Thema Qualität konzentriert: Lieferanten müssen sich einem strengen Qualifikationsprozess unterziehen, um akzeptiert zu werden.

Awango

Das im Jahr 2010 gestartete Programm “Total Access to Energy” wurde entwickelt, um profitable Geschäftsmodelle in großem Maßstab zu testen und zu entwickeln. Im Jahr 2011 begann der Vertrieb von Solarlampen zunächst in vier Pilotregionen: Kenia, Kamerun, Indonesien und Kongo. Bereits 2012 führte Total den bis heute gebräuchlichen Namen “Awango by Total” ein, um die von Total verkauften Solarprodukte verschiedener Anbieter unter einer gemeinsamen Dachmarke zu vermarkten.

Gleichzeitig wurden die Marketingaktivitäten intensiviert: Um das Bewusstsein für die Solarenergie im Allgemeinen und den Verkauf eigener Produkte im Besonderen zu schärfen und gleichzeitig die Marke “Awango by Total” zu fördern, wurden zahlreiche Instrumente wie Schulungswerkzeuge und -handbücher, digitale Produktkataloge, Kundendatenbanken, Werbematerialien, Pressemappen und Kommunikationskampagnen entwickelt.

Die Anzahl der Länder, in denen Awango-Markenprodukte erhältlich sind, wuchs rasant: Ende 2013 auf sechs, 2014 auf bereits 23 Länder, und 2017 wird Awango in über 40 Ländern vermarktet. Die mittlerweile mehr als 4.000 Total-Tankstellen, die 2017 weltweit Solarprodukte verkaufen, tragen immer noch 60% zum Umsatz bei. Die restlichen 40 Prozent werden über Geschäfts- und Vertriebspartner generiert. Somit kann Total Regionen erreichen, die nicht unter das Tankstellennetz fallen, sowie Produkte verkaufen, die nicht an einer Tankstelle verkauft werden können.

Eigene Produktlinie Sunshine

Lange Zeit hatte Total auf Produkte anderer Hersteller zurückgegriffen – bis 2018 beschlossen wurde, eine eigene Produktlinie auf den Markt zu bringen: 2018 wurde die Produktmarke “Sunshine” eingeführt. Total entwickelt damit eine eigene Produktlinie, die nur bei ihnen erhältlich ist. Man knüpft hier offensichtlich an die guten Erfahrungen von Schneider Electric mit einer eigenen Produktlinie an.

Investitionen

Total Energy Ventures ist der allgemeine Risikokapitalfonds von Total für Investitionen in Start-ups zur Förderung von Innovationen. Insgesamt gibt es noch keinen speziellen Energiezugangsfonds wie EDF, ENGIE und Schneider. Der 2008 gegründete “Energy Ventures Fund” hat eine klare strategische Mission: Innovation zu identifizieren, zu fördern und zu nutzen. Ziel ist es, potenzielle Geschäftsfelder, die langfristig zu Wachstumstreibern für den Konzern werden könnten, frühzeitig zu beobachten. Das wichtigste Auswahlkriterium für das Engagement des Fonds ist daher der potenzielle Lernwert für den Konzern. Ein deutlich anderer Ansatz als die Energy Access Funds der anderen Energie-Musketiere!

 

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