Solardörfer: ein Erfolgsmodell zur Förderung lokalen Solarhandwerks

2005, Kechemober in Äthiopien: Erstes Solardorf der Stiftung Solarenergie

620 Millionen Afrikaner sind heute ohne Zugang zu zuverlässigem Strom. Und auch dann, wenn es einen Netzanschluss gibt, steht Elektrizität oft nur unzuverlässig und sehr teuer zur Verfügung. Unternehmen und Haushalte fragen dann nach solaren Backup-Lösungen.

Dezentrale Solaranlagen können den Bedarf von Haushalten und Unternehmen decken und eine nachhaltige Energieversorgung gewährleisten. Die Nachfrage wächst seit Jahren. Viele Jungunternehmer wollen Solarhandwerksbetriebe gründen und so dauerhaft Arbeitsplätze schaffen.

Aber mit welchem Konzept lassen sich solare Handwerkbetriebe erfolgreich, das heisst dauerhaft aufbauen?

Die Stiftung Solarenergie ist seit 15 Jahren in Afrika tätig. Nach unserer Erfahrung liefert die Kombination aus Theorie und Praxis die besten Ergebnisse bei der Ausbildung. Daher nutzen wir unsere gemeinnützigen Solarprojekte immer zur praxisnahen Ausbildung Jungunternehmern und ihren Mitarbeitern. Vor allem unsere Solardorf-Projekte haben sich als ausgezeichnete Möglichkeit zum praxisnahen Training bewährt.

Was ist ein Solardorf?

Um dauerhaft einen Beitrag zur Armutslinderung in Entwicklungsländern zu leisten, verfolgen wir ein konzentriertes Konzept zur Dorfentwicklung: Die Versorgung eines ganzen Dorfes mit Solarenergie.

Die Stiftung Solarenergie stellt allen Haushalten als Starthilfe zu einem subventionierten Preis eine Basisstromversorgung mit Solarenergie zur Verfügung: sie besteht aus 2 LED-Lampen sowie Möglichkeit zur Handyladung. Der von den Haushalten zu zahlende Preis orientiert sich daran, was die ärmsten Familien im Dorf bezahlen können. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass jede Familie eine Basis-Stromversorgung erhält.

Die Bezahlung des Solarsystems erfolgt über monatliche Raten über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten. Die Menschen nutzen das System und zahlen statt für Kerosin nun für den Solarstrom. Nach Abschluss der Ratenzahlungen gehen die Solaranlagen in das Eigentum der Familien über.

In vielen Solardörfern erhielten neben den Haushalten auch öffentliche Gebäude (Schule, Gesundheitsstationen, Kirchen) Solarenergie. Darüber hinaus wurden solare Wasserpumpen oder Straßenlampen installiert. Der nachhaltige Erfolg wurde dadurch sichergestellt, dass vor Ort lokale Techniker für Wartung und Service zuständig sind.

Training für lokale Handwerker und ihre Mitarbeiter

Für Installation, Benutzerinformation und Wartung verlassen wir uns auf lokale Solarunternehmen. Das projektrealisierende Unternehmen wird von Anfang an durch einen anderen lokalen Solarunternehmer unterstützt.

Das Solardorf ist damit zugleich ein einzigartiges Instrument zur Ausbildung des Personals eines Solarbetriebs. Denn um das Solardorfprojekt erfolgreich zu realisieren, müssen die Mitarbeiter/innen des Partnerunternehmens verschiedene Fähigkeiten aufbauen bzw. einüben. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Interne und externe Kommunikation
  • Schulung für Kunden
  • Technischer Service (Installation und Service)
  • Kundenbetreuung
  • Verwaltung der monatlichen Zahlungen
  • Finanzmanagement: Buchhaltung, Berichte
  • Geschäfts- und Projektmanagement
  • Mitarbeitermotivation und -führung

Nach erfolgreichem Abschluss des Solardorfprojekts ist der Mehrwert für die solaren Kleinunternehmen ist enorm:

  • Referenzprojekt für andere Partner und/oder Investoren
  • Markteintritt in einer Region
  • Höherer Bekanntheitsgrad des Unternehmens
  • Neue Kunden im Solardorf für größere Produkte
  • Neue Kunden außerhalb des Solardorfes aufgrund bekannter Reputation

Im Anschluss an die erfolgreiche Umsetzung des Solardorf-Projekts wird der/die Unternehmer/in außerdem aufgenommen in das Netzwerk Sendea: In diesem Netzwerk junger Solarunternehmer fördern wir den Erfahrungsaustausch untereinander. Denn Fortbildung muss sich im Alltag fortsetzen.

Die Vermittlung von Informationen und Erfahrungen aus und für den Unternehmensalltag ist wichtig für die stabile Entwicklung von Kleinunternehmen. Im gegenseitigen Austausch wird das Bewußtsein geschaffen, nicht als Einzelkämpfer agieren zu müssen. Probleme können gemeinsam gelöst, Erfahrungen ausgetauscht, Bestellungen kombiniert und Personal gemeinsam ausgebildet werden.

 

Die Stiftung Solarenergie wurde für dieses wegweisende Konzept mehrfach international ausgezeichnet.

Seit 2005 konnten insgesamt 12 Solardörfer verwirklicht werden. Der regionale Schwerpunkt liegt in Ostafrika (Uganda, Kenia, Äthiopien). Weitere Solardörfer sind für 2018 bereits in Vorbereitung.

Dr. Harald Schützeichel, Vorsitzender Stiftung Solarenergie

 

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