Sauberste Stadt in Afrika? Kigali putzt sich heraus

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, Schweiz, hat UN-Umweltprogrammleiter Eric Solheim Anfang des Jahres Kigali als “sauberste Stadt der Welt” bezeichnet, sowohl was das Fehlen von Müll auf den Straßen als auch grüne Initiativen angeht.

Die Auszeichnung würdigte eine Kombination von staatlichen Regelungen, die die ruandische Hauptstadt viel sauberer als zuvor gemacht haben, die aber auch den Widerstand vieler vertriebener Slumbewohner verstärkt haben.

Die Säuberungsbemühungen sind zum Teil eine Reaktion auf das schnelle Wachstum der Hauptstadt, die sich seit 1996 verdoppelt auf 1,3 Millionen Einwohner hat, von denen nach Auskunft der Stadtregierung viele in informellen Siedlungen leben.

Im Jahr 2013 erstellten die Stadtverwaltungen einen Masterplan zur Verbesserung der Umwelt in der Stadt und versuchten gleichzeitig, soziale Integration, nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und Zugang zu zivilen Einrichtungen zu fördern.

Ein Schwerpunkt war der Verkehrsstau. Um diesen zu reduzieren gab die ruandische Regierung 76 Millionen Dollar zur Befestigung von Straßen aus. Ferner wurden alle Hauptverkehrsstraßen zu Schnellstrassen ausgebaut und die Regelung durch Verkehrszeichen verbessert.

Verbessert wurden auch die Busverbindungen zwischen den Vororten und dem Stadtzentrum, um die Menschen zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu ermutigen, sagte Bruno Rangira, Sprecher der Stadt Kigali, in einem Interview mit der Thomson Reuters Foundation.

Außerdem hat die Regierung fast 40 Millionen Dollar für den Umzug von mehreren Dutzend Fabriken aus einem ehemaligen Industriegebiet in eine neu eingerichtete Sonderwirtschaftszone bereitgestellt. Nicht alle Unternehmer sind glücklich über die Verlegung.

 

Bessere Dienstleistungen

Ein Ziel der Veränderungen in der Stadt ist es, mehr Menschen mit Dienstleistungen zu erreichen, aber ökologischer – wie Biogas aus Abwasser, sagte Rangira.

Die wichtigsten Beiträge zu Kigalis “Green Push” sind die Bewohner selbst, die wie alle ruandischen Bürger einmal im Monat einen Tag der Gemeinschaftsarbeit, genannt “umuganda”, durchführen müssen. In der Hauptstadt konzentrieren sich diese althergebrachten Arbeitstage darauf, Land für Gemeinschaftsgärten zu roden, Müll zu sammeln oder beim Bau neuer Straßen, Klassenzimmer oder Wohntoiletten für Familien zu helfen, denen sie fehlen.

Die Stadt versucht auch, Müllsammelstellen in allen Vorstadtgebieten aufzustellen und arbeitet mit lokalen Unternehmen zusammen, um öffentliche Toiletten zu installieren, sagte Rangira.

Laut staatlichen Statistiken haben bereits mehr als 90 Prozent der Haushalte in Kigali Zugang zu Toiletten und zu sauberem Wasser.

Teddy Kaberuka, ein in Kigali ansässiger unabhängiger Wissenschaftler für Wirtschafts- und Entwicklungsthemen, sagte, dass die Säuberungsbemühungen – vom Verbot von Plastiktüten bis zur Budgetierung für die Stadtreinigung – entscheidend von den Bemühungen begleitet wurden, die Menschen von den Vorteilen der Veränderungen zu überzeugen. Anstatt sich hauptsächlich auf Geldbußen zu verlassen, um mehr Hygiene zu erreichen, wurden Sensibilisierungskampagnen zur Förderung einer Kultur der Sauberkeit aufbaut.

Noch mehr Fortschritte bei der Gewinnung von Unterstützung für den grünen Schub könnten durch die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für Reinigungskräfte, Müllsammler und Gärtner gemacht werden, sagte er.

Bislang hat die Regulierungsbehörde für Versorgungsunternehmen in Ruanda laut einem Bericht der Behörde von 2017 fast 200 Lizenzen an Reinigungsunternehmen vergeben, die vor allem Frauen aus Elendsvierteln anwerben.

Originalbeitrag: Thomson Reuters Foundation

 

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