Porträt: Obinna Okwodu, Jungunternehmer in Nigeria

 

Obinna Okwodu (27) erhielt seine erste schulische Ausbildung in Nigeria, wechselte dann aber zum Winchester College in England, um das Abitur zu machen. Es folgte eine Ausbildung am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge mit zwei Abschlüssen: in Bauingenieurwesen und in Wirtschaftswissenschaften. Nach einer einjährigen Tätigkeit als Analyst bei der Morgan Stanley Investment Bank kehrte Obinna im Sommer 2015 nach Lagos zurück und gründete dort im Jahr 2016 mit einigen Kollegen das Unternehmen Fibr.

Das Start-up in Lagos ermöglicht Mietern monatliche Mietzahlungen. Das klingt für Europa seltsam, weil monatliche Mietzahlungen normal sind. Aber in Nigerias Hauptstadt Lagos fordern Vermieter in der Regel, dass die Miete bis zu 24 Monate im Voraus bezahlt wird – plus Servicegebühr, Maklergebühren, Rechtskosten und der Kaution. Der Immobilienmarkt in Nigeria behandelt 100% der Mietbevölkerung so, als wären sie 100% riskant.

Das stellt ein Hindernis vor allem für junge Menschen dar. Sie bleiben länger in ihrem Elternhaus, weil sie keinen Vorschuss von 24 Monaten auf ihr erstes Gehalt erhalten. Es bedeutet auch, dass sich junge Familien Sorgen machen müssen, wie sie neben den Vorschulgebühren oder Krankenhausrechnungen Pauschalbeträge für die Miete finden. Es bedeutet, dass, selbst wenn sie Glück haben, einen gut bezahlten Job zu erhalten, sie immer weiter weg von der Arbeit leben und den gefürchteten Lagos-Verkehr ertragen müssen, weil ihr Monatsgehalt nur eine billige Wohnung weit ausserhalb ermöglicht.

Fibr ermöglicht es, dass Mieter in der Stadt Lagos leben bei einer monatlichen Mietzahlung. Organisiert ist Fibr wie eine Art Verein. Um Mitglied zu werden, muss man sich bewerben und entsprechende Einkommenseinkünfte übermitteln. Fibr verhandelt mit Wohnungseigentümer Verträge für monatliche Mietzahlungen und garantiert dann als Verein die Mieteinnahmen.

Bisher wurden mehr als 100 Personen auf diese Weise eine bezahlbare Wohnung vermittelt – bei einer Warteliste von mehr als 4.000 Menschen.

 

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