Mehr als Licht: Ein ganzheitliches Solarkonzept in kenianischen Dorfschulen

Harald Schützeichel, Stiftung Solarenergie

Für ein typisches Kind, das im ländlichen Kenia aufwächst, bleibt der Zugang zur Bildung das wichtigste Mittel, um jene Fähigkeiten zu erwerben, die für das berufliche Weiterkommen und die soziale und wirtschaftliche Selbstbestimmung unerlässlich sind.

Viele Schulen haben keinen Zugang zu Strom, so dass vielen Kindern wichtige Chancen verwehrt bleiben. Der Vorteile der Solarenergie liegt darin, dass sie als Katalysator in verschiedenen Bereichen fungiert. Ein ganzheitlicher Ansatz muss heute aber über den reinen Ersatz von Kerosinlampen hinausgehen. Neben der Beleuchtung sind Wasser, Hygiene, Gesundheit, Ernährungssicherheit und Computerkenntnisse weitere kritische Bereiche.

Die Stiftung Solarenergie greift bei diesem Projekt auf Erfahrungen mit früheren Einzelprojekten zurück und bündelt diese zu einem ganzheitlicheren Ansatz. Dabei konzentrieren wir uns auf drei zentrale Bereiche:

  • Licht: Beleuchtung von Klassenräumen / Mobile Lampen für Schulkinder
  • IT: Energie für Solarcomputer
  • Ernährung: Solare Wasserpumpe zur Erhöhung der Ernährungssicherheit

Das Projekt wurde in drei Pilotschulen verwirklicht, die folgende solare Ausstattung erhalten:

Licht für Unterrichtsräume

Eine sichere, zuverlässige und bezahlbare Beleuchtung ist eine der grundlegendsten Energiebedürfnisse jeder Schule. In jeder Schule wurden mehrere Klassenzimmer mit Solarlicht ausgestattet. Das ermöglicht nun auch Unterricht in den Morgen und Abendstunden.

Mobile Solarlampe für Schulkinder

Sichere, zuverlässige und bezahlbare Beleuchtung ist eine der grundlegendsten Energiebedürfnisse für Schüler. Jeder Pilotschule werden 100 Solarlampen überlassen. Jeden Morgen, wenn das Kind zur Schule kommt, bringt es die Lampe der Familie mit, um sie tagsüber an der Schule aufzuladen. Am Abend kehrt das Kind mit einer voll aufgeladenen Lampe nach Hause zurück und ermöglicht so das abendliche Lernen.

Eine solare Wasserpumpe pro Schule

Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) und UNICEF haben den Mangel an ausreichender Ernährung als ein großes Hindernis für die Bildung armer Kinder in Afrika hervorgehoben. Viele Schulen im ländlichen Kenia betreiben bereits einen regengespeiste Anbau von Nutzpflanzen und Früchten.

Solare Wasserpumpen haben gegenüber der unzuverlässigen Handbewässerung erhebliche Vorteile: deutliche Ernteverbesserung bei geringerem Wasserverbrauch. In unserem Projekt erhält jede Pilotschule eine Solarwasserpumpe sowie ein gründliche Einführung in den Gebrauch. Das ermöglicht es ihnen, die Ernährungssituation der Schüler zu verbessern.

Solarbetriebene Computer und Internet

Der Zugang zu hochwertigen Lehrmittel gehört zu den größten Herausforderungen ländlicher Schulen. Sie hat auch Einfluss auf die Qualität der den Unterricht abhaltenden Lehrer: Denn Schulen ohne Strom, Internet und Computer sind wenig attraktiv.

Inzwischen gibt es jedoch erprobte Solartechnik für die Hardware (Computer) als auch Software für die Lerninhalte. Die von der Firma Endless entwickelten energieeffizienten Computer sind mit über 50 Bildungsanwendungen ausgestattet, darunter auch der Inhalt des Lehrplans für kenianische Schulen. Mit seinen Apps und Lehrmitteln, audiovisuellen Illustrationen und Videos ist Endless PC ein hervorragendes Lehrmittel, um die Lernerfahrung für Lehrer und Lernende erheblich zu verbessern.

Jede Pilotschule erhält 5 Einheiten von Solar-Computer, inclusive Zugang zu Lernapps.

 

Die ausgewählten Schulen für das Pilotprojekt:

Tetu Primary School

Die Tetu-Grundschule befindet sich in Muthingira, Kreis Laikipia. Sie wurde 2009 gegründet, um Kindern der Binnenvertriebenen zu helfen. Zum Zeitpunkt der Umfrage waren an der Schule 118 Jungen und 113 Mädchen angemeldet. Es gibt zehn Lehrer (4 weiblich und 6 männlich). In einigen Klassenzimmern wurde zwar Strom installiert, doch die häufigen Stromausfälle (4mal die Woche für mehrere Stunden) führen dazu, dass keine Unterrichtsplanung durchgeführt wird, für die man auf Strom angewiesen ist.

Die Schüler der Schule waren über einen landwirtschaftlichen Verein in der Landwirtschaft tätig. Sie pflanzen Gemüse, das dann in der Schule als Ergänzung zum Schulernährungsprogramm verbraucht wird. Die Bewässerung erfolgte durch zeitaufwändiges Gießen mit Handkannen. Wasserquelle ist u.a. ein Tank, der das regenwasser von den Schuldächern sammelt (unten)

 

Maritati Primary School

Die Maritati Grundschule ist eine gemischte Tagesschule im Bezirk Kisima im Bezirk Meru County. Sie wurde 1984 eröffnet und hat derzeit 338 Schüler (175 Jungen und 163 Mädchen). Zum Zeitpunkt der Befragung waren elf Mitarbeiter (8 Lehrerinnen und 3 Lehrer) beschäftigt.

Die Schule stellt den Schülern Mahlzeiten im Rahmen eines staatlich finanzierten Ernährungsprogramms zur Verfügung. Darüber hinaus baute sie auf rund 3 Hektar Land Pflanzen an. Bei den angebauten Kulturen handelt es sich hauptsächlich um Gemüse.  Die Hauptwasserquelle für die Bewässerung (während der Trockenzeit) bildet Leitungswasser (!).

 

Elerai Primary School

Elerai ist eine staatliche Grundschule im Rombo-Gebiet im Kreis Kajiado. Die Schule wurde 2007 unter der Schirmherrschaft der Free Pentecostal Fellowship in Kenya (FPFK) Kirche eröffnet. Zum Zeitpunkt der Umfrage waren 467 Schüler (229 Mädchen und 238 Jungen) eingeschrieben. Diese Schüler wurden von 10 Lehrern (sechs Frauen und vier Männer) unterrichtet.

In der Schule wurde Netzstrom installiert, allerdings nur für ein Klassenzimmer und im Lehrerzimmer. Häufige Stromausfälle, die in der Regel den ganzen Tag über andauern, machen den Netzstrom jedoch zu keiner zuverlässigen und brauchbaren Energiequelle.

Die wichtigsten Wasserquellen sind zwei flache Brunnen und Regenwasser, das von den Dächern gewonnen und in einem 30.000 überirdischen Kunststofftank gespeichert wird.

Die Schule besitzt etwa 2 Hektar Land, das für die Landwirtschaft genutzt wird. Das Land wird von Schüler und Lehrern gemeinsam bearbeitet, die sich zu einem landwirtschaftlichen Verein zusammengeschlossen haben. Angebaut wird hauptsächlich Gemüse.

 

Training

Die Arbeiten zur Installation von Licht in den Schulräumen, Aufbau der Solarcomputer und der solaren Wasserpumpe wurden im Mai – Juli 2019 durchgeführt. Nach der Installation aller Solarsysteme (Licht, Computer, Wasserpumpe) wurden an allen Schulen Schulungen durchgeführt. Die Schulungen verfolgten ein dreifaches Ziel:

  1. Das Verständnis der Schüler zu fördern, warum eine Solaranlage installiert wurde und wie sie funktioniert.
  2. Die Schulung von Lehrern und Schülern in der Bedienung der Computer. Es stellte sich heraus, dass alle Schüler noch nie zuvor einen Computer benutzt hatten, und dass sie auch nicht wussten, aus welchen Teilen er besteht. So begann die Schulung damit, die Einzelteile eines Computers zu demonstrieren und die Funktion jedes Teils kurz zu erklären. Der zweite Teil bestand darin, den Computer einzuschalten und mit der Maus ein Programm auszuwählen. In dieser Sitzung wurden zwei Schlüsselprogramme verwendet, nämlich Mathematik und die Suche nach Wörtern in der Enzyklopädie.
  3. Die Schulung in der Nutzung der solaren Wasserpumpe sollte dazu beitragen, die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeit von Solartechnik zu demonstrieren.

Im September/Oktober werden erste Erfahrungswerte über die bisherige Nutzung der bereits installierten Solarsysteme gesammelt.

 

Arbeiten am und mit dem Solar-Computer an der Tetu-Primary School

 

 


 

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