Kenias Kaffeebauern wechseln zum Avocado-Anbau

Thomson Reuters Foundation

Als Steve Mbugua vor acht Jahren mehr als 500 Kaffeebäume auf seiner halb Hektar großen Farm in Nyeri County entwurzelte, dachten seine Nachbarn, er mache einen großen Fehler.

Der Bauer ersetzte die Kaffeebäume durch 500 Setzlinge von Hass-Avocados – für die es mittlerweile eine große Exportnachfrage gibt – und macht heute 400.000 kenianische Schilling (fast 4.000 Dollar) pro Jahr aus seiner Ernte. Das ist fast das Zehnfache dessen, was er mit Kaffee verdient hat.

“Ich wusste, dass ich Geld verdienen würde”, sagte er, zumal die wärmeren Bedingungen und die sich verschlimmernde Dürre den Kaffeeanbau in einigen Teilen Kenias, wo er früher gediehen ist, erschweren.

Anders als Kaffeebäume, sagte Mbugua, benötigen Avocadobäume wenig Pflege, und ihre Früchte sind ein guter Verdienst. Die Kaffeepreise sind dagegen in die entgegengesetzte Richtung gegangen: Der Preis auf den Weltmärkten fiel von etwa 2,80 $ pro Pfund im Jahr 2011 auf heute etwa 1,12 $.

Und da die Kaffeeernten auch angesichts des raueren und weniger vorhersehbaren Wetters variieren, wechseln inzwischen tausende von Kaffeebauern zu Avocados, sagte Joseph Ntere Njau, ehemaliger Chef der nahe gelegenen Grafschaft Meru, einem der wichtigsten Avocadoanbaugebiete Kenias.

 

Wachstumsmarkt

Die Popularität von Avocados ist in den letzten Jahren auf der ganzen Welt angestiegen, angetrieben durch ein gesteigertes Bewusstsein für ihre gesundheitlichen Vorteile, sagen Experten. In den USA beispielsweise hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Avocado in der Dekade bis 2006 verdoppelt und erreichte 3,5 Pfund (1,6 kg). Allein im Jahr 2016 hat er sich nach Angaben des U.S. Department of Agriculture erneut verdoppelt auf nun 7,1 Pfund (3,2 kg).

Die kenianischen Exporte der Früchte sind von fast 39.000 Tonnen im Jahr 2015 auf etwa 47.000 Tonnen im Jahr 2016 gestiegen, im Volumen von rund 5,2 Milliarden kenianischen Schilling (52 Millionen Dollar), sagte James Weru, Marketing Manager bei Fair Trade Enterprises Limited, einem Exporteur von Frischwaren.

Kenia ist heute der zweitgrößte Avocadoproduzent Afrikas – nach Südafrika, so Weru – mit 7.500 Hektar Anbaufläche. Siebzig Prozent der Landwirte sind Kleinbauern. Etwa ein Fünftel der Jahresernte werde exportiert und gehe vor allem in die Märkte Europas und des Nahen Ostens. “Das liegt an der hohen Nachfrage. Denn die Avocado gilt als sehr nahrhafte Frucht und hat viele gesundheitliche Vorteile”, sagt er der Thomson Reuters Foundation.

Avocado-Bauer Mbugua meint, Kenia habe ein gutes Klima für die Ernte und fügte hinzu, dass die Sorte, die er und viele andere anbauen, gegenüber verschiedenen Niederschlagsbedingungen tolerant sei. Sie erfordert auch wenig Arbeit, ist resistent gegen Schädlinge und Krankheiten und hat eine lange Wachstumsperiode, sagte er.

 

Vorsicht geboten

Da die Nachfrage weiter steigt, braucht Werus Unternehmen weitere 10.000 Bauern, um Avocados für den Export anzubauen. Aber eine gewisse Vorsicht ist geboten vor der Eile, Kaffeebäume zu entwurzeln.

Okisegere Ojepat, der das Fresh Produce Consortium of Kenya leitet, eine Handelsvereinigung, die Landwirte und Exporteure in der Gartenbauindustrie vertritt, stellte fest, dass Avocadobäume drei Jahre brauchen, bis sie Früchte tragen, und zwei weitere, bis sie reif sind. “Was werden die Bauern tun, während sie warten?”, sagte er. “Ich kann nicht empfehlen, einen Baum zu fällen, um einen anderen Baum zu pflanzen.”

Und, fügte er hinzu, die Nachfrage nach Kaffee würde sich wahrscheinlich wieder beleben, da die Regierung und der Privatsektor daran arbeiten, kenianischen Kaffee im Ausland zu fördern und die Verwaltung der Genossenschaften zu verbessern.

Ojepat warnt auch davor, von einer verderblichen Ware, die sich scheinbar im Niedergang befindet, zu einer anderen zu stürzen, die boomt. Solche Märkte können sich als unberechenbar erweisen. “Sobald Landwirte feststellen, dass eine bestimmte Ware eine hohe Verdienstmöglichkeit bietet, neigt häufig eine Mehrheit dazu, auch zu experimentieren”, sagte er. Das kann allerdings den Markt überschwemmen und die Preise senken.

 

Gesundheitskick

Auf seiner zwei Hektar großen Farm im Dorf Mugambone in Meru ist der pensionierte Armeegeneral Gideon Gitonga einer von mehr als 300 Avocadobauern allein in seiner Gegend. Seine Bäume, die in Regimentsreihen gepflanzt wurden, haben den Kaffee weit übertroffen: Nur sieben Avocadobäume erwirtschaften etwa so viel Einkommen wie 500 Kaffeebäume, sagte er und machte die Entscheidung, zu Avocados zu wechseln, leicht.

In dieser Saison erwartet er mehr als 100.000 Ksh aus den Früchten. Er hält auch Bienen, die Honig liefern und durch die Bestäubung der Bäume die Avocadoproduktion fördern.

Avocados gelten nicht nur im Ausland als gesundes Nahrungsmittel, sagt Gitonga, sondern zunehmend auch in Kenia. Und die hohe Nachfrage nach Avocados hat Landwirten wie ihm geholfen, die einst einen niedrigen Preis für einen Großteil ihrer Produkte verdienten, sagt er.

Er fügt an, dass er nun keine schlaflosen Nächte mehr habe wegen seines Einkommens habe. Und die Tatsache, dass die Käufer zu ihm kommen, bedeutet zudem, dass er beim Transport spart. “Und (sie) bezahlen mich prompt – im Vergleich zu dem langen Warten, das ich beim Kaffeeanbau zu leisten hatte”, sagte er. “Avocadofarmen ist das Beste, was mir je passiert ist.”

Zuerst veröffentlicht von der Thomson Reuters Foundation. Zum englischen Originalbeitrag.

 

Print Friendly, PDF & Email