Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Afrika steht vor einem Engpass: es gibt nicht genügend Arbeitskräfte

Geoffrey Kamadi / Harald Schützeichel

Stiftung Solarenergie: Ausbildung von Solartechnikern in Uganda

In Afrika südlich der Sahara, wo mehr als 600 Millionen Menschen noch immer keinen Zugang zu Strom haben, gilt netzunabhängige erneuerbare Stromerzeugung als eine der schnellsten Möglichkeiten, Energie dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird, insbesondere in abgelegene und ländliche Gebiete, in denen viele Afrikaner leben.

Eine große Herausforderung besteht jedoch in einem erheblichen Mangel an geschultem Personal, das in der Lage ist, Solar-, Wind- und andere saubere Energiesysteme zu planen, zu installieren und zu warten.

Im energiehungrigen Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo zum Beispiel “hatten wir sehr große Herausforderungen, sehr fähige Talente zu finden, insbesondere auf der Führungsebene”, sagte Kweku Yankson, Leiter der Personalabteilung in Afrika bei BBOXX, einem britischen Unternehmen für Solarenergie.

Eines der größten Probleme beim Ausbau von erneuerbarer Off-Grid-Energie in Afrika ist, dass Systeme an entlegenen Orten gebaut und betrieben werden müssen, wo es schwieriger sein kann, Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, sagte Yankson von BBOXX.

Insgesamt sind nach Angaben der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA) nur 16.000 Menschen in Subsahara-Afrika außerhalb Südafrikas im Bereich der erneuerbaren Energien tätig.

Das sind nur 0,1 Prozent der weltweiten Beschäftigten im Bereich der erneuerbaren Energien und weniger als die Zahl der Menschen, die allein im US-Bundesstaat Illinois an der Windenergie arbeiten, stellte IRENA fest.

Unternehmensakademien

Es gibt es viele Anstrengungen, den Mangel an ausgebildetem Personal zu beseitigen. Oft handelt es sich aber um Ausbildungen, die von einzelnen Unternehmen, gezielt auf ihre Produkte hin angelegt sind. So haben nahezu alle größeren Solarunternehmen sog. “Akademien” eingerichtet, so auch BBOXX. Der Nachteil dieser Unternehmensausbildung liegt auf der Hand: Sie sind in der Regel ausgerichtet auf den Verkauf der eigenen Produkte und geben nur bedingt eine unabhängigen Einblick in die Technik der erneuerbaren Energien.

In anderen Worten: Unternehmens-Akademien sind in der Regel Einführungsschulungen für eigene Angestellte. Daher sind ihre Kurse meist auch nicht von staatlichen Behörden anerkannt. Das wäre aber erforderlich, um mit der Ausbildung später auch bei anderen Unternehmen eine Anstellung finden zu können.

Solarausbildung der Stiftung Solarenergie

Einen anderen Weg geht die Stiftung Solarenergie in Uganda: Die Solartechniker für ihr Netzwerk von lokalen Solarbetrieben (Sendea) werden in Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Institut ausgebildet (Nakawa-Trainingsinstitut). Da die Kurse zertifiziert sind, können die Solartechniker später frei wählen, ob sie bei einem Sendea-Unternehmen anfangen möchten oder bei einem anderen der in Uganda aktiven Solarunternehmen. Oder ob sie gar ein eigenes Solarunternehmen aufbauen möchten. Auch hier bietet die Stiftung Solarenergie dann professionelle Unterstützung.

Beim letzten Trainingskurs nahmen übrigens mehr Frauen als Männer teil. Und auch der im Februar 2019 begonnene Kurs hat wieder zahlreiche Frauen aufzuweisen.

Der erste Teil des Beitrags stammt von Geoffrey Kamadi und wurde erstmals veröffentlicht von der Thomson Reuters Foundation.

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