Die Industrienationen unterstützen vor allem umweltschädliche Energien in Afrika

 

Das Wachstum der erneuerbaren Energien in der reichen Welt ist eine der guten Nachrichten im Kampf gegen den Klimawandel. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass die reichen Länder zwar die Vorteile der sauberen Energie zu Hause nutzen wollen, diese aber nicht auf Afrika ausdehnen wollen, den Kontinent, der am meisten neue Energie benötigt und mit einem riesigen erneuerbaren Potenzial gesegnet ist.

Der Bericht von Oil Change International hat die schockierende Tatsache aufgezeigt, dass zwischen 2014 und 2016 60% der Energieinvestitionen der reichen Länder in Afrika für fossile Brennstoffe ausgegeben wurden. Diese Geberländer behaupten, sie wollen, dass Afrika floriert und gedeiht, doch sie entscheiden sich dafür, ihr Geld in kohlenstoffbasierte Energieträger zu investieren. Diese treiben den Klimawandel voran, der sich überproportional nachteilig auf Afrika auswirkt, und wirken wie eine wirtschaftliche Entwicklung in umgekehrter Richtung.  Diese reichen Länder verfügen über Entwicklungshilfebudgets, die einerseits die Entwicklung in Afrika fördern und andererseits den Klimawandel anheizen und damit die entwicklungspolitischen Vorteile zunichtemachen.

Weniger als 2 % der Investitionen ging in dezentrale erneuerbare Energien, wie netzunabhängige Solarenergie und Mini-Netze, die nachweislich das größte Potenzial haben, Energie zu denjenigen in entlegenen Teilen Afrikas zu bringen, die sie am dringendsten benötigen.

Man fragt sich fast, ob dieser Druck auf Afrika, fossile Brennstoffe einzusetzen, ein Weg für reichere Länder ist, einen Markt für jene fossilen Energiereserven zu schaffen, die sie zu Hause nicht verbrennen wollen?

Afrika von fossilen Brennstoffen abhängig zu machen, wenn es bessere Alternativen gibt, ist wie der Drogendealer, der dafür sorgt, dass er nicht von seinem eigenen Vorrat abhängig wird, während er die nächste Generation eifrig zu Süchtigen macht.

Der Bericht von Oil Change International zeigt auch, dass der Mangel an Investitionen in erneuerbare Energien nicht aus Mangel an Möglichkeiten resultiert. Japan, das nicht als grüner Vorreiter bekannt ist, finanziert mehr saubere Energie in Afrika als Deutschland, Frankreich, Italien, Südkorea, China und die USA zusammen.  Die EU und China wollen ihr Klimaprofil auf der Weltbühne aufpolieren, und doch haben sie in Afrika ein schmutziges Geheimnis. Vielleicht sollten sie sich mit ihren japanischen Kollegen darüber unterhalten, wo sie diese sauberen Energieprojekte finden.

Die andere interessante Erkenntnis ist, dass nur drei Länder mehr als die Hälfte der öffentlichen Energieinvestitionen in Afrika absorbieren: Angola, Ägypten und Südafrika. Dieses Ungleichgewicht bedeutet, dass die Mehrheit Afrikas ausgelassen wird. Diese Länder, drei der reichsten in Afrika, sind nicht die Länder, in denen die Energiearmut am größten ist. Anstatt Investitionen für umweltschädliche Energien in die reicheren Länder Afrikas fließen zu lassen, müssen die Geber zu einem stärker verteilten Ansatz übergehen und das weit verbreitete Potenzial für erneuerbare Energien auf dem Kontinent nutzen.

Afrika ist ein Kontinent mit einer jungen und wachsenden Bevölkerung. Damit sie im globalen Entwicklungswettlauf aufholen kann, muss sie aus den Fehlern der Industrienationen lernen und die umweltschädliche Energie, die die industrielle Revolution angetrieben hat, überspringen. Andernfalls wird nicht nur Afrika viele Jahre in einem teuren und veralteten Energiesystem gefangen bleiben, sondern auch die globalen Anstrengungen zur Eindämmung des Klimawandels gehen verloren. Afrikas Milliarden Menschen haben die Chance, der Welt zu zeigen, dass die Verbindung zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und umweltschädlicher Energie aufgebrochen werden kann. Aber es ist wichtig, dass die reichen Länder aufhören, ihren Reichtum in kurzsichtige Projekte für fossile Brennstoffe zu investieren, und vielmehr Afrika – und die Welt – auf den Weg einer saubereren und zuverlässigeren Energieversorgung bringen.

 

Zuerst veröffentlicht von der Thomson Reuters Foundation (gekürzte deutsche Übersetzung). Zum englischen Originalbeitrag.

 

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