Die älteren kenianischen Frauen, die sich ihren Weg in eine nachhaltigere Zukunft bahnen

Caroline Wambui

Bild: Thomson Reuters Foundation /Caroline Wambui

Eine Gruppe kenianischer Frauen, die von einer Plane vor der prallen Sonne geschützt werden, flechten eine Handvoll getrocknete Schilfrohre mit geübten Händen zu exquisiten Körben, Matten und Hüten, die anschließend an Touristen aus der ganzen Welt verkauft werden.

Sie machen diese Arbeit nicht aus freier Wahl, sondern aus Notwendigkeit, um zu überleben. An heißen Tagen wie diesen ist das leicht zu verstehen: Die Region um Mathiga, die 200 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Nairobi liegt, hat nur sehr armes Ackerland. Die Sonne verwelkt Ernten und bricht die Erde.

Regina Kaari, 70, ist Mitglied der Tharaka Green Gold Gruppe, einem Kollektiv älterer Unternehmerinnen, die vor einem Jahrzehnt mit dem Korbflechten begonnen haben. “Wir konnten kaum Landwirtschaft betreiben, aber wir mussten irgendwie überleben, essen, uns kleiden und eine angemessene Unterkunft haben”, sagte sie der Thomson Reuters Foundation zu ihrer Motivation.

Die Frauen, die alle älter als 60 sind, machten letztlich einfach, was sie konnten, sagte Kaari. Sie verkaufen die Körbe zunächst vor Ort für ungefähr 20 Kenianische Schillinge (0,20 $) pro Stück, ein “sehr niedriger Preis”. Es war erniedrigend, sagte sie, aber sie hatten keine Alternative.

 

Neue Gelegenheiten

Nicht lange danach besuchte eine Bewohnerin der Gegend namens Catherine Kareaikwa die Küstenstadt Malindi, wo sie Händler sah, die für bis zu 1.200 Shilling gewebte Körbe an Touristen verkauften.

Zu Hause fand Kareaikwa, dass die Körbe, die in ihrem Dorf verkauft wurden, identisch mit denen in Malindi waren. Sie suchte die älteren Weber auf und erfuhr, dass sie nur 20 Schilling pro Korb bekamen. Also bot sie ihnen einen Deal an: 50 Körbe zu je 50 Schilling, die sie dann in Malindi, das 400 Kilometer südöstlich liegt, für jeweils rund 1000 Schilling verkauft.

Als der Absatz wuchs, stiegen auch die Preise für die Frauen: auf 100 Schilling pro Korb, dann noch höher.

Auf Kareaikwas Vorschlag hin begannen die Frauen, andere Materialien in ihre Kreationen einzubetten: Leder und andere dekorative Elemente, was die Nachfrage weiter erhöhte.

Mehr Käufe bedeuteten höhere Preise, sagte Kareaikwa, während zugleich auch die Qualität der Arbeit der Frauen immer besser wurde. Andere Frauen schlossen sich an oder gründeten weitere Gruppen, die Waren für den Weiterverkauf in Kenias wachsenden Tourismusmarkt weben.

 

Herausforderungen

Doch 2014 änderte sich alles, als dutzende Kenianer bei Angriffen von somalischen Islamisten in der Küstenregion nahe Malindi ums Leben kamen. Bei der schlimmen Attacke wurden Männer vor ihren Familien hingerichtet, während sie die Fußballweltmeisterschaft im Fernsehen verfolgten. Die Al Shabaab Gruppe übernahm Verantwortung.

Die Auswirkungen auf den Tourismus waren vorhersehbar: Länder warnten ihre Bürger davor, nach Kenia zu reisen, und die Zahl der internationalen Ankünfte sank deutlich auf 1,18 Millionen im Jahr 2015. Ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Rekord von 2011 von 1,82 Millionen.

Die Auswirkungen auf die Frauen des Dorfes Mathiga, hunderte von Kilometern von den Angriffen entfernt, waren ebenfalls vorhersehbar: Weniger Touristen bedeuteten weniger Verkäufe, und ihr Geschäft ging schnell zurück.

Wiederum waren die Umstände gegen sie gerichtet.

“Als Familie waren wir gezwungen, in das harte Leben zurückzukehren, in dem wir von einer Mahlzeit am Tag abhängig waren”, sagte der 60-jährige Faith Gakii.

Um Geld zu verdienen, begannen die Frauen Holzkohle zu produzieren – eine Praxis, die nicht nur Kohlendioxid in die Atmosphäre freisetzt, sondern auch in einem trockenen Gebiet wie Mathiga die Entwaldung beschleunigt und eine bereits schlechte Umweltsituation weiter verschlechtert.

Nach kurzer Zeit wurden sie jedoch von Hilfsorganisationen dazu überredet, keine Bäume mehr für Holzkohle zu fällen. Stattdessen haben sie die Früchte der Tamarinde und Baobab Bäume für Saft geerntet und mit Hilfe der Hilfsgruppen gelernt, wie man sie zum Verkauf verpackt.

Die Vorteile einer solchen Zusammenarbeit liegen nicht nur in der Erweiterung der Einkommensmöglichkeiten, sagte Jafford Njeru, Experte für natürliche Ressourcen und Dozent an der nahegelegenen Chuka Universität. Sie bringt auch die Gemeinschaft zusammen, um ihre natürlichen Ressourcen zu schonen und zu verwalten, was dazu beiträgt, die Auswirkungen des Klimawandels auf lokaler Ebene zu mildern.

 

Erfolge

Obwohl die Anschläge von 2014 das Leben für die Frauen viel schwieriger machten, hatten sie das Glück, dass im vergangenen Jahr Schritte unternommen wurden, um auf ihre gewebten Produkte wieder neu aufmerksam zu machen.

Die regionalen Behörden hatten Kareaikwa gebeten, die Korbwaren auszustellen. Sie schlug stattdessen vor, dass die Frauen, die sie webten, sie präsentieren sollten. Sie taten es und nahmen zwei Preise mit nach Hause. Seitdem wurden ihre Waren in Uganda und der Demokratischen Republik Kongo ausgestellt, und Anfang dieses Jahres auf der Birmingham Spring Exhibition in Großbritannien.

Heute stellen mehr als 100 Frauen in Webereien in und um Mathiga wieder Hüte, Körbe und Matten her, und sie verkaufen sich wieder gut.

Zusätzlich wurde ihnen geholfen, als Kenia letztes Jahr den Gebrauch von Plastiktüten untersagte. Das hat zu mehr Nachfrage nach ihren Körben geführt, und so haben die Frauen mehr Schilfrohr gepflanzt, um das zu erreichen. Zufälligerweise bedeutet mehr Schilf auch weniger Bodenerosion.

Hilfreich ist auch, dass die Touristenzahlen nach Regierungsangaben 2017 wieder auf 1,47 Millionen gestiegen sind. Und weil es in Malindi immer noch nicht vollkommen sicher ist, sagt Kareaikwa, sieht sich die Gruppe nach anderen Verkaufsmöglichkeiten um, wie etwa die Einrichtung kleiner Geschäfte in Teilen des Landes.

Währenddessen weben die Frauen weiter. Selbst in der Nebensaison wird eine Gruppe von 30 Frauen 600 Körbe im Monat produzieren, was insgesamt 37.000 Schilling ergibt. In den arbeitsreichsten Monaten verdienen sie mehr. In einer Region, in der die Möglichkeiten für ein Einkommen extrem begrenzt sind, macht das einen großen Unterschied.

Die sechsundsechzigjährige Faith Karauki sagte, das Korbflechten habe ihr geholfen, selbst in den trockensten Monaten für ihre Familie zu sorgen. Und Faith Gakii konnte die Grundschulbildung ihrer Enkelkinder finanzieren.

Das Unternehmen hat nicht nur mehr finanzielle Unabhängigkeit gebracht, sagte Kareaikwa, sondern es hat auch den Frauen persönlich mehr gegeben. “Korbflechterei ist nicht nur eine Quelle des Lebensunterhalts, sondern hat uns auch Türen in der Welt geöffnet”, sagte sie.

Quelle: Thomson Reuters Foundation

 

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