Chinas Präsenz in der afrikanischen Medienlandschaft

Dani Madrid-Morales

China entwickelt seine Medienpräsenz in Afrika, indem es digitale TV-Dienste und einen globalen Nachrichtenkanal bereitstellt.

 

Der 17. Juni 2015 war der Termin der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) für Länder in Europa, Teilen des Nahen Ostens und Afrikas, um die Umstellung vom analogen zum digitalen Fernsehen abzuschließen. Dieses Datum fiel bewusst mit den Millenniumsentwicklungszielen der Vereinten Nationen zusammen. Der Übergang von analog zu digital, der die Nutzung von Frequenzen optimiert, wurde weithin als eine Möglichkeit zur breiten Auswahl von Sendungen für die Zuhörer auf dem gesamten Kontinent dargestellt. Denn trotz der zunehmenden Nutzung digitaler Geräte für den Zugang zu Online-Medien bleibt das Fernsehen ein fester Bestandteil der medialen Ernährung von Millionen von Afrikanern.

Nur eine begrenzte Anzahl von Ländern in Afrika – wie Mauritius, Tansania und Ruanda – war jedoch in der Lage, das analoge Fernsehsignal vollständig abzuschalten. Viele andere, darunter Südafrika, Sambia und Namibia, haben nur teilweise digitales terrestrisches Fernsehen oder DVB-T implementiert. Und einige, wie Burundi und der Tschad, fangen gerade erst an, nach Möglichkeiten zu suchen, die Migration zu beginnen. Wie in vielen anderen Infrastrukturprojekten haben sich die Regierungen des Kontinents in den letzten zehn Jahren an China gewandt, um bezahlbare Optionen zum Abschluss der Umstellung zu finden. Und ein Unternehmen hebt sich in der Masse ab – StarTimes – das in mehr als der Hälfte der afrikanischen Länder in den Prozess der digitalen Umstellung involviert ist.

 

Die Anwesenheit chinesischer Medien- und Telekommunikationsunternehmen in Afrika ist Teil der “Going Out”-Politik Pekings. Die diesbezüglichen Aktivitäten haben zugenommen, aber sie haben sich auch diversifiziert. Waren sie ursprünglich ausschließlich darauf konzentriert, Werbung zu machen für Radio Peking, die Arbeit chinesischer Unternehmen und staatliche Behörden, verfolgen sie heute fünf verschiedene Kernaktivitäten:

  • Erstellung von Inhalten, wie im Fall von Xinhua, Chinas staatlicher Nachrichtenagentur, die vielen lokalen Medienhäuser Nachrichteninhalte zur Verfügung stellt;
  • Verbreitung von Inhalten, wie die chinesischen Fernseh-Soaps, die seit 2012 in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten Afrikas auftauchen;
  • Infrastrukturentwicklung, angeführt von den Telekommunikationsgiganten Huawei und ZTE;
  • professionelles Training an chinesischen Universitäten und Parteiinstituten;
  • Direktinvestitionen , wie die 20%ige Beteiligung an der südafrikanischen Independent Media durch eine Gruppe chinesischer Investoren .

 

Die Aktivitäten des chinesischen Medienkonzerns StarTimes umfassen alle fünf Aktivitäten und decken zugleich alle Aspekte des digitalen Fernsehsektors ab. Das Unternehmen baut Übertragungsnetzwerke; es verkauft die Set-Top-Boxen, die benötigt werden, um digitales Fernsehen zu sehen; es agiert als Signalverteiler, oft durch öffentlich-private Partnerschaften mit nationalen Rundfunkanstalten; es bietet Pay-TV-Dienste über Satellit und DVB-T an; es erstellt, kauft und/oder synchronisiert Inhalte, die es dann über seine mehrsprachigen Fernsehkanäle verbreitet; und es bildet lokal eingestelltes Personal aus zu Tausenden. In einigen Ländern hat StarTimes ein Quasi-Monopol bei all diesen Aktivitäten, in anderen ist nur mit ein oder zwei davon vertreten.

Die bekanntesten Akteure in Afrika-China Medien Engagements, CGTN Afrika (früher CCTV Afrika) und China Daily sind unter direkter Aufsicht des Staates bzw. der Partei. StarTimes wiederum ist ein privat geführtes Unternehmen – obwohl es von einer besonders engen Beziehung zur chinesischen Führung profitiert. Die engen Verbindungen mit Partei und Staat wurden von seinem Gründer Pang Xinxing aufgebaut, als er in den 1970er und 1980er Jahren bei staatlichen Medienunternehmen arbeitete. Pang reiste oft mit hochrangigen chinesischen Delegationen in Afrika und traf sich zahlreichen afrikanischen Staats- und Regierungschefs. Nehmen wir al Beispiel das Land São Tomé und Príncipe: ein Land, mit dem China von 1997 bis 2016 keine diplomatischen Beziehungen pflegte. Bereits weniger als ein Jahr nach der Wiederaufnahme der Beziehungen war Pang in São Tomé, um ein Abkommen abzuschließen, das StarTimes an die Spitze der digitalen Umstellung in dem Land bringen würde.

Die Nähe zu politischen Eliten, gepaart mit einer undurchsichtigen Unternehmenskultur, hat aber in mehreren Ländern gegenüber den Aktivitäten von StarTimes Unmut erzeugt. Als StarTimes etwa in Kenia als einer von nur zwei Signalverteilern für DTT ausgewählt wurde, protestierten alle großen kommerziellen TV-Sender heftig und setzten wochenlang einen Signalausfall durch. In Ghana musste sich StarTimes Gerichtsverfahren zu öffentlichen Ausschreibungen stellen. Und in Mosambik hat die Tatsache, dass StarTimes mit der verstorbenen Valentina Guebuza, der Tochter des ehemaligen Präsidenten Armando Guebuza, eine geschäftliche Partnerschaft eingegangen ist, das Unternehmen in Konflikt mit vielen gebracht.

Das große Verkaufsargument von StarTimes war immer seine Bezahlbarkeit für alle potenziellen Kunden. Wenn das Unternehmen seine Dienstleistungen Regierungen anbietet, ist es dank einer langfristigen, zinsgünstigen Finanzierung durch die chinesische Exim Bank in der Lage, die niedrigsten Gebote zu machen. Auf der Verbraucherebene bietet es einige der niedrigsten Preise für Pay-TV, es bietet relativ preiswerte Decoder und in jüngerer Zeit bietet es freie Satellitenschüsselinstallationen in ländlichen Gemeinden, wo DTT bisher unerreichbar war. Mit dieser mehrstufigen Strategie behauptet das Unternehmen im Jahr 2016, 10 Millionen Abonnenten gewonnen zu haben.

Neben seinen preislich günstigen Angeboten unterscheidet sich StarTimes auch im Inhalt von seinen größten Mitbewerbern auf dem Kontinent: Naspers GOtv und DStv (beide Südafrika), und Vivendi Canal+ (Frankreich). Während alle drei Unternehmen hauptsächlich Kanäle führen, die in praktisch jedem anderen Pay-TV-Dienst anderswo ebenfalls zu finden sind (von BBC bis Nickelodeon und MTV), ist StarTimes einzigartig in seinem Angebot an chinesischen Inhalten (Filme und TV-Serien), von denen einige synchronisiert gezeigt werden: in Hausa, Suaheli, Französisch, Englisch und Portugiesisch und seit kurzem auch Yoruba. Die Tatsache, dass StarTimes berechtigt ist, chinesische Kulturprodukte im Ausland zu vertreiben, ist ein “Privileg”, das bisher nur staatlich kontrollierten Medien vorbehalten war. Es belegt das enge und vertrauensvolle Verhältnis, das Pangs Unternehmen mit den chinesischen Behörden aufgebaut hat, um Inhalte auszuwählen, die den Interessen Pekings entsprechen.

 

In seinen Anfängen wurde dem digitalen Fernsehen ein tiefgreifend verändernder Einfluss vorhergesagt: Das größere Angebot an neuen TV-Kanälen würde neue Informationen und Ansichten vermitteln (“Demokratisierung der Radiowellen” war ein häufig verwendetes Schlagwort) und würde dazu beitragen, die Dominanz US-amerikanischer Unternehmen im Mediensektor zu durchbrechen. Die Realität scheint anders zu sein: die erwarteten Veränderungen, einschließlich der Diversifizierung des Geldflusses, der Pluralität von Meinungen und der Förderung von Minderheiten, um nur einige zu nennen, haben nicht stattgefunden – so etwa der Medienwissenschaftler James Curran.

Der Fall von StarTimes stellt unser Verständnis von Entwicklungen in der Medienlandschaft vor neue Herausforderungen. StarTimes hat tatsächlich eine unverwechselbare neue Stimme in die afrikanische Fernsehindustrie eingebracht – nämlich die von China. Dies ist jedoch keine freie Stimme, sondern eine, die unter der Zwangs- und Aufsichtspflicht der chinesischen Regierung, eines Einparteienstaates, operiert. Mit seiner wachsenden Präsenz in Afrika ist China jetzt in der Lage, sich Gehör zu verschaffen. Umgekehrt gilt das freilich nicht für afrikanische Meinungen, Erzählungen und Geschichten in der Medienlandschaft Chinas.

Übersetzung eines Originalbeitrags aus Africa is a Country.

Africa is a Country  wurde 2009 von Sean Jacobs gegründet. Heute bietet es Online-Kommentare, Artikel, Medienkritiken, Videos, Audio und Fotografie und ist eine der führenden intellektuellen Stimmen in den afrikanischen Online-Medien.

 

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